Energieverbrauch, Erneuerbare Energien, Strompreise, Energieeffizienz

Klimawandel bekämpfen à la Dänemark

Wenn es darum geht den Klimawandel zu bekämpfen, gehen die Staaten der Welt trotz dessen, dass es sich um eine globale Herausforderung handelt und es internationale Verträge gibt, ihre eigenen Wege. Das führt auch dazu, dass während die einen noch prokrastinieren, andere schon dabei sind einen echten Unterschied zu machen – allen voran Dänemark.

Hier hat man sich nicht nur vorgenommen den CO2-Ausstoss bis 2030 um 70% im Vergleich zu 1990 zu reduzieren und bis 2050 klimaneutral zu sein, man hat auch konkrete Rahmenbedingungen geschaffen, damit es gelingt. Und das, ohne auf Atomenergie umsatteln zu müssen oder in den internationalen Handel mit Verschmutzungsrechten einzusteigen. Die gesamte CO2-Reduktion soll im eigenen Land stattfinden!

Dafür wurde ein Rahmengesetz geschaffen, das verbindlich die Prozeduren und Verantwortlichkeiten festlegt. Auch eine zukünftige Regierung, die weniger ambitioniert gegen den Klimawandel kämpfen möchte oder ihn sogar leugnet, wird nachträglich keine geringeren Ziele beschliessen können. Um das zu gewährleisten, muss die neue Regierung nach jeder Parlamentswahl festlegen, wie sie die Klimaziele umsetzen will und Etappenziele vereinbaren.

Zusätzlich muss jede Regierung jährlich aufzeigen, wo und wie sie Fortschritte gemacht hat und das Parlament darüber abstimmen lassen, ob die Massnahmen ausreichen. Hinzu kommt jeden September, dass die Regierung dem Parlament ein Programm vorlegen muss, was wie im nächsten Jahr erreicht werden soll. Dafür soll sie sich an Empfehlungen eines unabhängigen Klimarats halten. Findet das Parlament, das Programm reicht nicht aus, kann es die Zustimmung verweigern und die Regierung muss nacharbeiten.

Mit diesem politischen Konsens im Rücken hat es Dänemark bereits geschafft, den CO2-Ausstoss um 37,5% zu verringern. Heisst, es bleiben noch 32,5% die in den nächsten Jahren eingespart werden müssen.

Bau von Energieinseln

Und auch wenn politischer Wille wichtig ist, ohne konkrete Massnahmen kann der CO2-Ausstoss nicht verringert werden. Der dänische Minister für Klima, Energie und Versorgung

Dan Jørgensen spricht hier vom «grössten Investment in Öko-Energie der Welt».

Darunter ambitionierte Pläne wie den Bau von zwei grossen Offshore-Windparks für jeweils knapp 27 Milliarden Euro. Aber auch Reformen, durch die erneuerbare Energie günstiger und fossile Energie teurer werden soll. Zudem sollen Öl- und Gasheizungen aus privaten Haushalten verschwinden und Wärmepumpen sowie grüner Fernwärme Platz machen.

Durch alle Massnahmen zusammen sollen bis 2030 3,4 Millionen Tonnen CO2 gespart werden!

Noch weiter: Kopenhagen

In Kopenhagen geht Dänemark gleich noch einen Schritt weiter und will bis 2025 die erste klimaneutrale Stadt der Welt sein. Mit der konsequenten Ausrichtung der Stadtplanung, die Stadt grüner, digitaler und emissionsärmer zu gestalten, ist Kopenhagen auf einem guten Weg. Die Massnahmen stützen sich dabei auf vier Säulen:

  • Für die Stromerzeugung setzt Kopenhagen schön länger auf erneuerbare Energien und kann den Grossteil des Bedarfs schon heute aus Windrädern und Solaranlagen im Umland decken. Zukünftig wird auf einen Strommix aus Wind, Sonne, Biomasse, Geothermie und Abfallverwertung gesetzt – auch, um das letzte Fünftel Kohlestrom aus dem Energiemix zu tilgen.
  • Schon heute sind 90% der Kopenhagener Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen – ein entscheidender Vorteil für die grüne Wärmeversorgung. 2017 entstand hier auch das modernste Müllheizkraftwerk der Welt. Dieses versorgt 100'000 Haushalte mit Wärme und Strom und hat gleichzeitig ein Naherholungsgebiet auf dem Dach, inkl. Skipiste.
  • Auch durch einen effizienten Einsatz von Energie, lässt sich viel einsparen. Dies wird durch kontinuierliche Sanierungen und den Einsatz von intelligenten Fassaden erreicht. So hat z. B. die internationale Schule im Osten der Stadt 12'000 Solarmodule in der Fassade, womit sie den Grossteil des eigenen Energieverbrauchs deckt.
  • Die letzte Säule ist die klimafreundliche Mobilität. Hier liegt der Fokus neben dem öffentlichen Nahverkehr auf dem Fahrrad, mit extrabreiten Radwegen und Expressrouten. Zusätzlich wird es klimaschädlichen Technologien schwer gemacht. Während E-Autos kostenlos parken dürfen, fallen für Benziner und Dieselautos hohe Parkgebühren an, die wiederum in klimafreundliche Infrastruktur investiert werden. 

Einzelfall oder Blaupause?

Mit diesem Massnahmenpaket schafft es Dänemark, einen relativ reibungslosen Übergang hin zu nachhaltigen und klimafreundlichen Technologien zu vollziehen, ganz ohne radikale Einschnitte verkraften zu müssen. Leider können sie nicht eins-zu-eins auf andere Länder übertragen werden, zu unterschiedlich die Ausgangssituation. Allerdings zeigt Dänemark, was mit politischer Weitsicht und klaren Prioritäten erreicht werden kann – wenn man einen gesellschaftlichen und politischen Konsens hat.

Falls Sie Fragen zum Thema Klimawandel haben, können Sie uns gerne kontaktieren:

Clemens Bohnenblust

Fachstelle Energie

Migrol AG
Badenerstrasse 569
8048 Zürich
energie@migrol.ch
Kontakt Hotline 0844 000 000 (4 Rp./Min.)

Die Migrol Energieberatung wird in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Luzern, Schwyz, Zug und Zürich durchgeführt.

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