Energieverbrauch

Performance Gap doch ein Modellierungsfehler?

Seit Jahren klafft eine Lücke zwischen dem was wir verbrauchen und dem was wir eigentlich verbrauchen sollten – wir nennen diese Lücke den Performance Gap. Doch was ist er? Wie setzt er sich zusammen? Und berechnen wir ihn überhaupt richtig?

Beim Performance Gap handelt es sich um die Differenz zwischen dem berechneten und real vorliegenden Energieverbrauch. Dabei ist es zunächst egal ob er höher niedriger liegt. Der Mehrverbrauch lässt sich dabei vor allem auf die Raumwärme zurückführen, denn vorangegangene Studien belegen, dass der Warmwasserverbrauch niedriger liegt als in der SIA 380/1 Norm angenommen wird.

Im Einzelfall wurden zwischen -45% und +45% Abweichung zum Normwert festgestellt. Im Schnitt schätzen Experten den Performance Gap allerdings auf +10% bis +20%. Er besteht aus vier Komponenten:

  • Der Verhaltens-Gap beschreibt, dass das reale Nutzungsverhalten anders ist als angenommen.
  • Der technische Gap entsteht, wenn ein Gebäude nicht nach Plan gebaut wird oder die Gerätschaften nicht optimal betrieben werden.
  • Vom Klima-Gap spricht man, wenn das Wetter nicht so ist wie zuvor angenommen.
  • Der Modellierungsgap bezeichnet Fehler in den Modellen und Berechnungstools, so dass sie die Realität nicht optimal abbilden.

Woran liegt das…

Studien zu Folge liegt die Hauptursache im Nutzungsverhalten. So werden Räume eher auf 22,5 °C statt auf, die in der Norm festgelegten, 20 °C geheizt, Fenster während der kalten Monate öfter geöffnet oder der Sonnenschutz nicht normgerecht verwendet (was zu weniger Solarenergie führt).

Es wird angenommen, dass auch der technische Gap zu einem Mehrverbrauch führt, der Anteil allerdings aufgrund der aktuellen Studienlage nicht festgelegt werden kann. Der Klima- und Modellierungs-Gap spielen, dem aktuellen Studienstand entsprechend, eine untergeordnete Rolle.

Es ist jedoch anzumerken, dass Frauen eine höhere Temperatur benötigen, um sich wohlzufühlen und voll leistungsfähig zu sein. Da es sich hier nicht um ein Fehlverhalten, sondern einen Modellierungsfehler handelt, sollte diese Präferenz in zukünftigen Studien berücksichtigt werden. Denn ein Modellierungsgap, kann vor diesem Hintergrund nicht länger nur eine untergeordnete Rolle beigemessen werden.

…und was können wir dagegen tun?

Eine umfassende Informationskampagne und dauerhafte Rückmeldung des Verbrauchs an die Nutzer, könnte zu einer Sensibilisierung für den eigenen Verbrauch führen und damit der Verhaltens-Gap geschlossen werden. Auch die Steigerung der Effizienz der Gebäudetechnik, gepaart mit dem kontinuierlichen Optimieren würde den Verbrauch senken – womit der technische Gap geschlossen werden kann.

Doch nicht zuletzt würde eine Anpassung der Normwerte den Performance Gap zum Teil schliessen können. Dies würde zwar nicht zu einem niedrigeren Verbrauch führen, aber die Realität akzeptieren, wie sie ist und vor allem das Bedürfnis von Frauen nach einer höheren Raumtemperatur berücksichtigen.

Wir brauchen neue Studien

Bisherige Studien weissen quasi einhellig auf Fehler im Nutzungsverhalten hin. Doch haben wir gesehen, dass die Normtemperatur von 20 °C das Bedürfnis der Frauen nach einer höheren Raumtemperatur ausklammert. Wann sich Studien damit beschäftigen und wie gross der Modellierungsgap dann sein wird, bleibt vorerst offen – es wäre an der Zeit, diese Wissenslücke zu schliessen.

Falls Sie Fragen zum Thema Energieverbrauch haben, können Sie gerne unseren Energieberater kontaktieren:

Clemens Bohnenblust

Fachstelle Energie

Migrol AG
Badenerstrasse 569
8048 Zürich
energie@migrol.ch
Kontakt Hotline 0844 000 000 (4 Rp./Min.)

Die Migrol Energieberatung wird in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Luzern, Schwyz, Zug und Zürich durchgeführt.

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