Energieberatung, Rebound-Effekt, Energieeffizienz

Rebound-Effekt wer spart verbraucht mehr

Der Rebound-Effekt kann für Enttäuschungen sorgen, weil die Effizienz entgegen den Erwartungen weniger stark verbessert wird.

Der Effekt führt dazu, dass sich der Energieverbrauch nach der Verbesserung der Effizienz weniger stark senkt als aus technischer Sicht erwartet. Der Grund dafür ist, dass Effizienzsteigerungen den Preis von Produkten und Dienstleistungen senken und die realen Einkommen somit erhöhen. Dies führt zu einer grösseren Nachfrage nach dem betreffenden Produkt oder der Dienstleistung und so zu einer Reduktion der Energieeinsparung.

Einprägsamer als der englische Rebound ist der Begriff Bumerang-Effekt. Von einem zurückkehrenden Bumerang will nun wirklich niemand getroffen werden. Der Begriff wird jedoch auch in weiteren Wissenschaften verwendet.

Für den Boomerang-Effekt gibt es eine Vielzahl von Beispielen:

  • Wer langfristig Energie und Geld sparen will, rüstet sein Zuhause mit effizienten LED-Leuchten aus. Wird das eingesparte Geld aber wieder in Reisen investiert, verpufft ein Teil der Wirkung der Energiesparmassnahmen wieder. Es kommt zu einem Anstieg des Energieverbrauchs infolge einer Steigerung der Energieeffizienz.
  • Energieeffiziente Flachbildschirme haben die alten Röhrenfernseher ersetzt. Leider wurde ein Fernseher häufig durch mehrere, grössere Bildschirme ersetzt, welche in der Summe mehr Strom verbrauchen als der alte Fernseher.
  • Man pendelt jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit und leistet sich dann in den Ferien weite Flugreisen.
  • Der Einsatz einer Solarthermie-Anlage zur Warmwasserbereitstellung führt zu erhöhtem Warmwasserverbrauch.

Wie hoch der Effekt jedoch tatsächlich ist, lässt sich nur schwer sagen und ist ein aktuelles Forschungsgebiet. Beim direkten Rebound-Effekt zeigen verschieden Studien auf, dass dieser bis zu 30 % betragen kann. Dies bedeutet, dass beinahe 1/3 der Ersparnisse wieder verloren gehen.

Der Bumerang-Effekt ist kein Phänomen unserer modernen Zeit. Tatsächlich wurde er 1865 bereits das erste Mal beschrieben. William Stanley Jevons nahm erstmalig Bezug auf den Rebound-Effekt, der deshalb auch als Jevons` Paradoxon bekannt ist. Der Autor war überzeugt, dass Effizienzsteigerungen durch technische Optimierungen vielmehr zu einer Steigerung als einer Senkung des Energieverbrauchs führen würden. Jevons verwies dabei auf Effizienzsteigerungen durch kohlebetriebene Dampfmaschinen und den damit verbundenen Anstieg des Kohleverbrauchs.

Heute unterscheidet man zwischen direktem, indirektem und makroökonomischem Rebound-Effekt. Der direkte Rebound-Effekt ist eine erhöhte Nachfrage nach dem gleichen Produkt oder Dienstleistung. Ein indirekter Rebound-Effekt entsteht, wenn Leute das Geld, welches sie durch den Effizienz-Gewinn sparen, an anderer Stelle für zusätzlichen Konsum wieder ausgeben. Am komplexesten ist der makroökonomische Rebound-Effekt. Wird in Europa Energie gespart und weniger Benzin oder Diesel verbraucht, sinkt weltweit der Preis. Dies kann in anderen Weltgegenden zu vermehrtem Verbrauch führen.

Nicht alles, was wie ein Rebound-Effekt aussieht, ist tatsächlich einer. Ein Beispiel sind energetische Sanierungen von Wohngebäuden. Bessere Heizungsanlagen und gut gedämmte Gebäudehüllen haben einen grossen Einfluss auf den Wärmebedarf pro Quadratmeter und haben zu grossen Einsparungen geführt. Doch gleichzeitig nutzen wir immer mehr Wohnfläche pro Person und ein Teil der Einsparungen geht verloren. Das klingt nach einem typischen Bumerang-Effekt. Jetzt ist es aber vermutlich noch so, dass man sich eine grössere Wohnung leistet, weil die Kosten für die Energie gesunken sind. Die Ursache ist eine Veränderung der Lebensstile. Es besteht eine Tendenz zur Individualisierung. Es gibt weniger Familien – und mehr Einzelhaushalte. Der demografische Wandel bewirkt, dass es mehr ältere alleinlebende Personen gibt. Die Ursache ist ein sozialer Wandel und nicht effizientere Gebäude. Rebound-Effekte dürfen auch nicht mit Wachstums-Effekten verwechselt werden.

Umgang mit Bumerang-Effekten

Das Bewusstsein dieser Thematik ist der erste Schritt. Im persönlichen Umfeld stossen wir oft darauf und können gegensteuern. Ein Beispiel ist die Informationsgewinnung. Durch den einfachen und schnellen Zugang übers Internet kommen wir zur gewünschten Information. Weil es so einfach geht, fragen wir jedoch viel mehr Informationen ab als eigentlich notwendig und schnell ist eine halbe Stunde vergeudet. Hier haben wir als Einzelpersonen einen Einfluss. Unser Einfluss auf die Rahmenbedingungen ist nur indirekt über die Politik möglich. Parallel zu den Effizienzgewinnen müssten die Energie- und Rohstoffpreise angehoben werden, damit mit dem eingesparten Geld nicht mehr Ressourcen konsumiert werden.

Bei Fragen können Sie uns gerne kontaktieren:

Clemens Bohnenblust

Fachstelle Energie

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Die MIGROL Energieberatung wird in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Luzern, Zug und Zürich durchgeführt.

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