Energieeffizienz, E-Mobilität

Elektromobilität im Winter Wie Sie Reichweitenprobleme überwinden und das Beste aus Ihrem Elektroauto herausholen

Der Winter stellt für Elektroautobesitzende eine besondere Herausforderung dar. Die niedrigen Temperaturen führen zu höherem Energieverbrauch, der wiederum die Reichweite verringert. Diese Problematik wurde vom ADAC und dem TCS an Testfahrzeugen im Labor, auf Prüfstrecken und Fahrzeugen im Alltag analysiert und ausgewertet. In diesem Blogartikel erfahren Sie die wichtigsten Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen und erhalten Sie praktische Tipps für den Winter.

Einfluss der Temperatur auf die Reichweite

Im Winter benötigen Elektroautos deutlich mehr Energie. Der ADAC hat diese Zunahme des Energieverbrauchs durch drei unterschiedliche Testmethoden analysiert. Eine davon ist der "Green NCAP"-Test. Hierbei werden die Fahrzeuge zunächst auf -7 °C bzw. +23 °C vortemperiert und legen anschliessend eine Distanz von 30 Kilometern zurück. Dabei zeigt sich bei den niedrig vortemperierten Fahrzeugen ein durchschnittlicher Reichweitenverlust von 70%. Dieser resultiert v.a. aus dem zusätzlichen Energieverbrauch durch die Innenraumheizung und die Batteriebetreibung auf kurzen Strecken.

Bei längeren ADAC Testverbrauchsfahrten, durchgeführt bei Temperaturen von +20 °C bzw. 0 °C und über eine Strecke von 100 Kilometern, war der Reichweitenverlust mit durchschnittlich 30% signifikant geringer. Die Langzeittests des ADAC mit Fahrzeugen wie dem VW ID3 oder Renault Zoe zeigten einen Mehrverbrauch von 25 bis 31%. In Zusammenarbeit mit dem norwegischen Automobilclub NAF führte der TCS ebenfalls entsprechende Tests durch, deren Ergebnisse sich mit 25% Reichweitenverlust in einem ähnlichen Rahmen bewegten wie die WLTP-Norm. Bei den TCS Tests absolvierten 28 Elektroautos eine 485 Kilometer lange, topografisch anspruchsvolle Strecke in Oslo bei Aussentemperaturen zwischen 0 und -19 °C.

Einfluss der Temperatur auf die Ladeleistung

Die Reduzierung der Ladeleistung von Elektrofahrzeugen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ist eine direkte Folge der Zunahme des sogenannten "internen Batteriewiderstands". Dieser Begriff bezieht sich nicht auf den herkömmlichen
elektrischen Widerstand, den man etwa von metallischen Leitern kennt. Vielmehr handelt es sich um den Widerstand, den die Lithium-Ionen in der Batterie erfahren, wenn sie sich während des Lade- oder Entladevorgangs bewegen. Bei niedrigeren Temperaturen erhöht sich dieser Widerstand, was die Leistungsfähigkeit der Batterie beeinträchtigt. Das Ergebnis ist eine verminderte Ladeleistung des Elektrofahrzeugs. Dies wurde in ADAC-Tests mit verschiedenen Modellen wie dem Renault Zoe, Tesla Model Y, VW e-Up und VW ID.3 deutlich. So startet beispielsweise der VW ID.3 bei -7 °C mit einer reduzierten Leistung von weniger als 50 kW statt den üblichen 128 kW. Gewisse Hersteller reagieren darauf, indem sie ihre Fahrzeuge mit einer automatisierten Heizfunktion für die Batterie ausstatten, um diese vor dem Laden vorzuwärmen. Allerdings verlängert sich die Ladezeit durch das Vorheizen einer kalten Batterie von durchschnittlich 33 auf 56 Minuten.

Tipps für sorgenfreie E-Mobilität auch im Winter

Die effektivsten Strategien, um auch bei niedrigen Temperaturen unbesorgt e-mobil zu bleiben:

• Vorheizen des Fahrzeugs: Heizen Sie Ihr Auto vor, während es noch an der Ladestation angeschlossen ist. Dies verringert den Energiebedarf während der Fahrt.

• Vorheizen der Batterie: Autos mit Batterieheizung können über das Navigationssystem oder durch manuelle Eingabe die Batterie für das Schnellladen vorheizen.

• Optimales Laden: Laden Sie Ihr Fahrzeug, wenn die Batterie warm ist, da kalte Batterien langsamer laden.

• Verwendung von Sitz- und Lenkradheizung: Diese verbrauchen deutlich weniger Energie als die Luftheizung.

• Ökonomisches Fahren: Ein angepasster Fahrstil und die Nutzung des Eco-Modus können den Energieverbrauch reduzieren.

• Mehr Ladestopps: Planen Sie bei längeren Fahrten schon im Vorfeld zusätzliche Ladepausen ein. Steuern Sie am besten eine Schnellladestation an, damit Sie Ihre Fahrt möglichst schnell fortsetzen können.

• Laden bei jeder Gelegenheit: Versuchen Sie Ihr Auto zu Hause, beim Einkaufen oder im Büro zu laden, damit Sie stets mit einer vollen Batterie losfahren

Welche Fahrzeuge haben den geringsten Reichweitenverlust und warum? 

Unter den Elektroautos gibt es einige Modelle, die im Winter besonders gut abschneiden. Laut dem Fahrzeugtest des TCS in Zusammenarbeit mit dem NAF zeichnen sich insbesondere das TESLA Model S mit einer Reichweite von 530 km, das
TESLA Model X Plaid mit 437 km und der BMW i4 eDrive40 mit 434 km durch den geringsten Reichweitenverlust aus. Dies ist auf ihre fortschrittliche Batterietechnologie und effizienten Wärmemanagementsysteme zurückzuführen, die aus Wärmepumpen und guter Isolation bestehen und so den Reichweitenverlust bei niedrigen Temperaturen minimieren.
Es ist generell empfehlenswert, vor dem Kauf oder Leasing eines Elektroautos für lange Strecken, insbesondere im Winter, Testberichte mit realen Alltagsbedingungen wie die vom ADAC oder TCS zu konsultieren. Sollten solche Tests für das Wunschauto nicht verfügbar sein, ist es ratsam, die Verbrauchswerte zu überprüfen sowie in Erfahrung zu bringen, ob das Fahrzeug über eine Batterieheizung oder eine Wärmepumpe verfügt. Damit lässt sich unliebsamen Überraschungen vorbeugen.

Fazit

Elektroautos sind auch in den Wintermonaten eine verlässliche Wahl, sofern man die speziellen Herausforderungen der Saison kennt und angemessen darauf reagiert. Durch Massnahmen wie das Vorheizen des Fahrzeugs, einen angepassten Fahrstil und die Einplanung zusätzlicher Ladestopps lässt sich der Winter problemlos bewältigen. Als Betreiberin eines schweizweiten, dichten Ladenetzes gewährleistet Migrol zuverlässige Lademöglichkeiten zu jeder Jahreszeit. Ausserdem finden Elektromobilist*innen bei allen Ladestationen an Migrol- und Migros-Standorten ein attraktives Verweil- und Einkaufsangebot vor.

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