Energieberatung, GEAK, Gebäudesanierung, Energieeffizienz

Labels welche Standards und Labels machen beim Bauen und Renovieren Sinn?

Sie sind bekannt von Haushaltsgeräten, Autos, Glühbirnen und vielen anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs: die Etiketten, welche klare, vergleichbare Informationen über den Energieverbrauch eines Artikels liefern.

Ein Gebäude ist deutlich komplexer als beispielsweise ein Toaster. Umso erstrebenswerter ist deshalb eine Standardisierung und die Schaffung von Vergleichbarkeit im Bauwesen. Verschiedene Standards und Labels sind auch in dieser Industrie bereits vorhanden. Nur: Was nützen sie wem und wie erstrebenswert sind sie?

Gegen 20 verschiedene Standards und Labels werden in der Schweiz gegenwärtig angewendet oder diskutiert. Etliche davon sind für Besitzerinnen und Besitzer eines Ein- oder Mehrfamilienhauses nicht von Bedeutung, da es sich um die Zertifizierung oder Standardisierung von Spezialbauten (z.B. Verwaltungs- und Gewerbebauten) handelt oder da sie (noch) nicht umfänglich akzeptiert sind. Für Besitzerinnen von Ein- oder Mehrfamilienhäusern soll der folgende Überblick über die für sie hierzulande verbreitetsten und nützlichsten Standards und Labels Klarheit schaffen.

Minergie: Qualitätssicherung für Planung, Bau und Betrieb

Minergie ist seit 1998 der Schweizer Standard für Komfort, Effizienz und Werterhalt in der Bauwirtschaft. Im Zentrum stehen der Wohn- und Arbeitskomfort – sowohl in Neubauten als auch bei Sanierungen und Renovationen. Die Marke Minergie wird von der Wirtschaft, den Kantonen und dem Bund gemeinsam getragen. Minergie sorgt für die Qualitätssicherung von der Planungs- über die Bau- bis zur Betriebsphase.

Zur Auswahl stehen drei Minergie-Standards:

  • Minergie: Minergie ist der Basisstandard für eine gut gedämmte Gebäudehülle in Kombination mit einer Lufterneuerung durch Komfortlüftung. Gebäude mit diesem Standard sind Niedrigenergiebauten und entsprechen weitgehend auch den gesetzlichen Anforderungen der Kantone.
  • Minergie-P: Minergie-P steht für eine Niedrigenergiebauweise, die einen noch tieferen Energieverbrauch anstrebt. Eine sehr gut gedämmte und luftdichte Gebäudehülle sowie der Einsatz von erneuerbaren Energien sind dabei gefordert. Minergie-P kommt dem international proklamierten "Nearly Zero Energy Building" sehr nahe.
  • Minergie-A: Minergie-A definiert im Detail das Null- oder sogar Plus-Energiehaus. Minergie-A bezieht auch die graue Energie, die bei der Erstellung sowie dem Rückbau des Gebäudes anfällt, mit ein.

Mit drei zusätzlichen Zertifizierungsmöglichkeiten kann der Geltungsbereich der Minergie-Zertifizierung erweitert werden:

  • Minergie Eco: Die Zusatzzertifizierung Eco ist bei allen Minergie-Standards möglich und befasst sich insbesondere mit gesundheitlichen und bauökologischen Faktoren und Aspekten.
  • MQS Bau: Die Zusatzzertifizierung MQS Bau richtet sich an Bauherren und Planer, welche anspruchsvolle Vorgaben von Minergie am Bau garantiert haben möchten.
  • MQS Betrieb: Die Zusatzzertifizierung MQS Betrieb stellt den optimalen Betrieb und damit höchsten Komfort in der Betriebsphase eines Gebäudes sicher.

Die Nutzen von Minergie auf einen Blick:

  • Gesteigerter Komfort: Gut gedämmte, dichte Wände, Böden und Dachflächen sichern den thermischen Komfort im Gebäude – Schutz vor Wärmeverlust im Winter und vor Übertemperaturen im Sommer.
  • Optimale Luftqualität: Minergie macht Vorgaben zur systematischen Lufterneuerung. Dabei wird die Frischluft gefiltert und die Verunreinigungen der Innenluft (z.B. Schadstoffe, Feuchtigkeit) abgeführt
  • Nachhaltige Werterhaltung: Die Einhaltung der Minergie-Vorgaben leistet einen erheblichen Beitrag zur Werterhaltung einer Liegenschaft. Es gibt Studien, die besagen, dass der Wiederverkaufswert einer Liegenschaft durch das Minergielabel steigt.
  • Reduzierte Energiekosten und CO2-Emissionen: Die Umsetzung der Richtlinien von Minergie führt zur merklichen Senkung der Energiekosten und zu einer deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen.
  • Neutrale Zertifizierung: Die Minergie-Zertifizierung ist eine unabhängige Qualitätssicherung, welche auf langjährigen Erfahrungswerten basiert.
  • Erleichterte Baubewilligung: Die meisten Kantone akzeptieren ein provisorisches Minergie-Zertifikat als Energienachweis, was insbesondere in der Baubewilligungsphase hilfreich sein kann.

GEAK: Energieeffizienzbeurteilung und Optimierungsmassnahmen

Der GEAK (Gebäudeausweis der Kantone) erfasst die energetische Gesamtsituation eines Gebäudes und gibt Auskunft über die Energieeffizienz der Gebäudehülle sowie den Energieverbrauch.

Der GEAK ist ein schweizweit angewendetes, einheitliches Bewertungstool. Mit dem GEAK erhalten Liegenschaftenbesitzerinnen und -besitzer eine objektive Beurteilung des energetischen Zustandes und der Energieeffizienz ihrer Gebäude. Dabei wird die Liegenschaft in Energieklassen – von A (sehr energieeffizient) bis G (wenig energieeffizient) – eingeteilt.

Den nur von zertifizierten Experten ausgestellte GEAK ist in drei verschiedenen Ausgestaltungen erhältlich:

  • GEAK: Diese Basiserfassung des Ist-Zustandes ist gleichbedeutend mit der offiziellen Energieetikette für das Gebäude.
  • GEAK Plus: Zusätzlich zur Energieetikette zeigt der GEAK Plus drei individualisierte Varianten zur Verbesserung des energetischen Zustandes eines Gebäudes auf. Der GEAK Plus beinhaltet auch Vorschläge zu konkreten Optimierungsmassnahmen, zu möglichen Projekt-Etappierungen und zur Wirtschaftlichkeit.
  • GEAK Neubau: Aufgrund von Planungswerten definiert der GEAK Neubau Zielwerte zur Energieeffizienz, die sich positiv auf den Betrieb und die Nutzung des Neubaus auswirken.

Die Nutzen des GEAK auf einen Blick:

  • Der GEAK ist schweizweit einheitlich und schafft damit neutrale Vergleichbarkeit im ganzen Land.
  • Der GEAK bildet die Grundlage für den Bezug von Fördergeldern oder Vergünstigung bei Hypotheken.
  • Der GEAK schafft transparente Unterstützung bezüglich der zu erwartenden Energiekosten sowie des thermischen Wohnkomforts bei Kauf- oder Mietentscheiden.

SNBS 2: umfassender, transparenter und zertifizierungsfähiger Standard für nachhaltige Gebäude

Mit dem SNBS 2.0 (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz) hat das Bundesamt für Energie (BFE) eine gemeinsame Basis für das nachhaltige Bauen in der Schweiz geschaffen. Dieser Standard wurde unter der neutralen Federführung von der Genfer SGS (Société Générale de Surveillance) unter Einbezug der privaten und öffentlichen Hand erarbeitet.

Der SNBS 2.0 ist ein umfassender und zertifizierungsfähiger Standard für nachhaltige Gebäude in der Schweiz. Er basiert auf bestehenden Instrumenten und Hilfsmitteln, wie zum Beispiel der Empfehlung SIA 112/1 "Nachhaltiges Bauen – Hochbau“, den Zielsetzungen der 2’000-Watt-Gesellschaft oder den Minergie-ECO-Anforderungen. Der SNBS 2.0 Hochbau bindet damit bestehende Bewertungsinstrumente ein und bietet gleichzeitig neu entwickelte Elemente. Die Systemgrenze des SNBS 2.0 Hochbau umfasst das Gebäude an sich, bezieht aber bei der Beurteilung des Gebäudes auch den Kontext in die Betrachtung mit ein. Ziel ist es, die drei Dimensionen des nachhaltigen Bauens (Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt) gleichermassen und möglichst ziel- und wirkungsorientiert in Planung, Bau und Betrieb einzubeziehen.

Der SNBS 2.0 erweitert die Anforderungen von Minergie und Minergie-ECO um architektonische, nutzerspezifische, wirtschaftliche und zusätzliche ökologische Aspekte. Im Vergleich zu allen anderen nachhaltigen Gebäude-Standards zeichnet sich der SNBS 2.0 durch gesamtheitliche Kontext- anstelle von isolierter Objektbetrachtung sowie durch Wirkungs- anstelle von Massnahmenorientierung aus.

Zurzeit steht der für Neubau und Erneuerung anwendbare SNBS für die Nutzungskategorien "Wohnen", "Büro" und "Gemischte Nutzung" zur Verfügung.

Die Nutzen des SNBS 2.0 auf einen Blick:

  • Der SNBS 2.0 führt alle wesentlichen in der Schweiz geltenden Normen, Empfehlungen, Merkblätter, Verordnungen und sonstigen Regeln zusammen und dient somit als effizientes, disziplinübergreifendes Planungsinstrument.
  • Der SNBS 2.0 ist unter allen Labels klar der umfassendste, vollständigste Standard.

Weitere Standards und Labels von Bedeutung in der Schweiz

  • LEED: Das LEED (Leadership in Energy & Environmental Design) ist ein amerikanisches, international angewendetes Green-Building-Zertifizierungssystem, das Standards für nachhaltige Bauten definiert und diese auszeichnet. Die Zertifizierung ist in verschiedenen Stufen erhältlich, die durch ein Punktesystem bestimmt werden. LEED kann in unterschiedlichen Phasen und Nutzungskategorien angewendet werden, dafür stehen verschiedene Systemvarianten zur Verfügung. LEED Building Design and Construction ist speziell für Neu- und Umbauten konzipiert.
  • DGNB: Das in Deutschland entwickelte DGNB-Zertifikat zeichnet Projekte aus, die eine ganzheitliche Optimierung der nachhaltigen Gebäudeperformance über den gesamten Immobilienlebenszyklus zum Ziel haben. Mit dem Vorzertifikat können Nachhaltigkeitskriterien bereits in einer frühen Phase optimiert und verbindlich dokumentiert werden. Der Mehrwert des Zertifikats liegt in den Vorteilen bei der Planung und dem Bau, aber auch bei der Vermarktung des Projektes.
  • BREEAM: Der in England entwickelte BREEAM bewertet die nachhaltige Performance der gebauten Umwelt und ist weltweit anwendbar. BREEAM ist ein Standard für nachhaltige Konzeption, Planung und Bauausführung sowie für den Betrieb. BREEAM zielt auf die ganzheitliche Bewertung über den gesamten Lebenszyklus der gebauten Umwelt.
  • WELL: Der amerikanische WELL Building Standard ist der erste Baustandard, der sich ausschliesslich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen konzentriert. Geprüft werden Attribute von Gebäuden bis hin zu den Arbeitsbedingungen anhand von sieben Konzeptbestandteilen: Luft, Wasser, Ernährung, Licht, Fitness, Komfort und Geist.
  • Gutes Innenraumklima: Das Schweizer Label GI Gutes Innenraumklima ist eine Weiterentwicklung der Planungsleistung Innenraumklima. Das Gütesiegel ist eine unabhängige Auszeichnung, die quantifizierbare Aussagen zur Raumluftqualität bei Neu- und Umbauten sowie bei bestehenden Gebäuden macht.
  • 2’000-Watt-Areale: Das Zertifikat für 2’000-Watt-Areale ist ein Instrument, um ganze Areale nach den Zielen der 2’000-Watt-Gesellschaft zu entwickeln und zu überprüfen. Da es sich um ein prozessorientiertes Label handelt, werden der quantitative Nachweis und die qualitative Bewertung mittels Erfolgskontrollen und regelmässigen Rezertifizierungen überprüft. Die Arealträgerschaft und die Bewohner werden während des Prozesses aktiv eingebunden.
  • SIA-Effizienzpfad Energie: Der (nicht zertifizierbare) Effizienzpfad Energie des SIA (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) ist ein standardisiertes Instrument zur Planung von Neubau- und Sanierungsprojekten, in welchen minimaler Verbrauch an fossiler Energie und tiefstmögliche Treibhausgasemissionen angestrebt werden. Mit einer konsequenten Umsetzung des SIA-Effizienzpfads Energie wird der Gebäudepark Schweiz den Weg in Richtung 2’000-Watt-Gesellschaft einschlagen.

Quellen & Informationen: 

  • www.nnbs.ch

  • www.snbs-cert.ch

  • www.minergie.ch

  • www.sia.ch

  • www.geak.ch

  • www.gutes-innenraumklima.ch

  • www.2000watt.ch

  • www.breeam.com

  • www.wellcertified.com

  • www.greenbuilding.ch

  • www.dgnb-system.de

Neutraler GEAK-Experte der Migrol:

Clemens Bohnenblust

Fachstelle Energie

Migrol AG
Badenerstrasse 569
8048 Zürich
energie@migrol.ch
Kontakt Hotline 0844 000 000 (4 Rp./Min.)

Die Migrol Energieberatung wird in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Luzern, Schwyz, Zug und Zürich durchgeführt.

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