Heizungssanierung, Energieberatung, MuKEn, Wärmelösungen

Heizungsersatz unter Anwendung der MuKEn 2014

Die vierte Ausgabe der kantonalen Mustervorschriften (kurz MuKEn 2014) ist eine an den Stand der Technik angepasste Weiterentwicklung der Energievorschriften.

Die MuKEn 2014 ist ein Dokument der interkantonalen Energiedirektorenkonferenz (EnDK) und bildet die Basis für die kantonale Energiegesetzgebung. Jeder Kanton entscheidet selbstständig, wann welche Teile der MuKEn 2014 rechtlich verbindlich werden. Die einzelnen Kantone können auch zusätzliche energetische Anforderungen stellen.

In der Schweiz liegt ein grosses Energiesparpotenzial bei bestehenden Bauten. Die energetische Sanierungsrate liegt derzeit bei ca. 1 %. Im Rahmen der Energiestrategie soll diese bis auf 2 % gesteigert werden.

Gebäude nach Bauperiode

Quelle: Bundesamt für Statistik, 2017

Die Grafik zeigt, dass 85 % (1,4 Mio.) der Gebäude in der Schweiz vor dem Jahr 2000 und 63 % (1,1 Mio.) vor dem Jahr 1980 erstellt worden sind.  Die folgende Grafik weist den spezifischen Energieverbrauch in Abhängigkeit des Baujahres aus. Daraus wird ersichtlich, dass die 1,1 Mio. Gebäude mit einem spezifischen Verbrauch von 200 kWh/m²*a den aktuellen Stand um ca. den Faktor 6 überschreiten. Energetische Erneuerungen haben hier eine sehr grosse Wirkung.

Energieverbrauch Wohngebäude

Quelle: Empa

Das Energiesparpotential dieser Bauten muss erschlossen werden. Darum ist es wichtig, bei jeder Erneuerungsintervention die Energieeffizienz zu verbessern. Aus diesem Grund verlangt die MuKEn 2014, dass beim Ersetzen einer Heizung eine Gesamtbetrachtung vorgenommen wird. Es wird vorgesehen, dass beim Heizungsersatz mindestens 10 % des Wärmeenergieverbrauchs mit erneuerbaren Energien abgedeckt oder durch Effizienz-massnahmen eingespart werden.

Die Erfüllung der Anforderungen kann durch die folgenden Varianten erfolgen:

  • Umsetzung einer der 11 vorgegebenen Standardlösungen.
  • Eine Zertifizierung des Gebäudes nach Minergie.
  • Das Erreichen von mindestens der Klasse D bei der GEAK-Gesamtenergieeffizienz (sehen Sie dazu den Blogbeitrag GEAK, GEAK-Plus).

Unter dem Begriff Heizungsersatz wird der Ersatz einer bestehenden Wärmeerzeugung für Warmwasser und Raumwärme verstanden. Dazu zählen sämtliche fossil betriebenen Feuerungen, aber auch Wärmepumpen, Holzfeuerungen und Anschlüsse an Wärmeverbünde.

Die 11 Standardlösungen

Die 11 Standardlösungen bieten unterschiedliche Möglichkeiten, wie die Vorgaben der MuKEn 2014 erfüllt werden können. Diese besagen, dass zukünftig beim Ersatz von Öl- und Gasheizungen 10 % des Wärmebedarfs aus erneuerbarer Energie stammen oder zusätzlich durch Wärmedämmung eingespart werden sollen.

Grundsätzlich sind dazu vier unterschiedliche Ansätze möglich (vergleichen Sie hierzu die unten aufgeführte Grafik):

  • Die solare Strahlung wird zur Warmwasseraufbereitung genutzt.
  • Die Wärmeerzeugung wird erneuert, dabei kann aus den heutigen nach dem Stand der Technik zur Verfügung stehenden Technologien ausgewählt werden.
  • Der Luftwechsel wird durch eine kontrollierte Wohnungslüftung KWL mit Wärmerückgewinnung realisiert.
  • Die Energieeffizienz wird durch Massnahmen an der Gebäudehülle verbessert.

MUKEN Mindmap

Nutzung der solaren Strahlung durch solarthermische Anlagen

Die Standardlösung 1 sieht vor, dass eine Solar-Anlage mit einer Fläche von 2 % der Energiebezugsfläche realisiert wird. Bei einem Gebäude mit einer Energiebezugsfläche von 150 m² ergibt dies eine Solar-Anlage von 3 m². Das Bundesamt für Energie (BFE) empfiehlt, pro Person 1 - 1,5 m² Solar-Anlage zu realisieren. Für eine 4-köpfige Familie wäre es somit sinnvoll, die Solar-Anlage etwas grösser, also ca. 4-6 m² zu dimensionieren. Der Wärmespeicher ist entsprechend zu vergrössern und soll im Fall einer vorgezogenen Sanierung bereits korrekt dimensioniert werden.

Die Standardlösung 7 nutzt ebenfalls die solare Strahlung zur Warmwassererwärmung, macht jedoch einen Umweg über die elektrische Energie. Bei unserem Beispiel wird eine Photovoltaik-Anlage mit ca. 4 m² Solarfläche benötigt. Die elektrische Energie darf nicht direkt in Wärme umgewandelt werden. Die Wärme muss mittels einer Warmwasser-wärmepumpe bereitgestellt werden.

Beide Lösungen bedingen eine neuwertige Dachfläche oder eine Integration in das Dach.

Beim Ersatz der Wärmeerzeugung kann aus 6 Standardlösungen gewählt werden.
Die Standardlösung 2 basiert auf dem Primärenergieträger Holz, welcher als Stückholz, Holzschnitzel oder Pellets zum Einsatz kommt. Beim Ersatz eines fossilen Wärmeerzeugers kann der Einsatz eines Pelletkessels eine gute Lösung sein. Eine Pelletheizung kann eine hohe Vorlauftemperatur bereitstellen, welche in schlecht gedämmten Gebäuden mit Heizkörpern zur Sicherstellung der Behaglichkeit notwendig ist. Die Warmwasserbereitstellung muss während der Heizperiode über die Pelletheizung erfolgen. Der Einsatz einer sorgfältig dimensionierten thermischen Solar-Aanlage zur Warmwasservorwärmung ist eine ideale Ergänzung, «übererfüllt» jedoch die gesetzlichen Vorgaben.

Die Standardlösungen 3 und 4 sehen den Einsatz von Wärmepumpen vor. Wichtig dabei ist, welche Form der Umweltwärme als Energiequelle genutzt wird. So sind zum Beispiel Erdsonden nicht an jedem Standort zulässig. Die kleinsten Investitionen müssen beim Einsatz einer Luft-Wasser-Wärmepumpe geleistet werden. Bei diesen Anlagen ist eine sorgfältige Planung unabdingbar, damit Sie oder Ihr Nachbar sich nicht durch Geräusche gestört fühlen.

Eine der einfachsten Massnahmen, falls möglich, ist die Standardlösung 5 in Form eines Fernwärmeanschlusses. Die Wärmeerzeugung wird ausgelagert, der Wärmebezüger muss nur Platz für einen Wärmeüberträger zu Verfügung stellen. Die Energie muss aus Abwärme oder erneuerbaren Quellen bereitgestellt werden, was jedoch bei der Mehrzahl der Fernwärmeverbünde der Fall ist. Der Kunde muss jedoch oft einen langjährigen Vertrag eingehen.

Die Standardlösung 6 setzt den Einsatz einer Wärme-Kraft-Koppelung voraus. Die Anlage, welche eingesetzt wird, wird Blockheizkraftwerk genannt. Diese Technologie produziert gleichzeitig Strom und Wärme. Da die (Ab)-Wärme genutzt wird, weisen diese Systeme hohe Wirkungsgrade auf. Die Stromproduktion ist jedoch mit der Wärmeproduktion gekoppelt. Damit kann ein guter Teil des Haushaltstromes abgedeckt werden. Stimmt der zeitliche Bedarf jedoch nicht mit dem Zeitpunkt der Produktion überein, muss der Strom ins Netz zurückgespiesen werden.

Die letzte Lösung im Bereich der Wärmeerzeugung ist die Standardlösung 10. Bei dieser Lösung deckt ein erneuerbares System die Grundlast ab und wird durch einen fossilen Spitzenlastkessel ergänzt. Diese Lösung eignet sich eher für grössere Anlagen. Als Zusatznutzen kann hier eine gewisse Redundanz realisiert werden.

Energetische Verbesserung der Gebäudehülle

Bei den bisherigen Lösungen ist das Ziel, fossile Energieträger durch erneuerbare Energie zu ersetzten. Die Standardlösungen 8 und 9 verfolgen einen anderen Ansatz.
Die Energie, welche aufgewendet werden muss, soll reduziert werden.

Die Standardlösung 8 sieht den Ersatz der Fenster mit einem schlechten U-Wert (von 2 W/m²K) durch Fenster mit einem U-Wert-Glas von 0,7 W/m²K vor. Wie gut oder schlecht der U-Wert der bestehenden Fenster ist, lässt sich nicht so einfach feststellen. Man geht davon aus, dass dies vor allem Fenster sind, welche vor 1985 eingebaut wurden.

Diese Standardlösung erstaunt jedoch ein wenig, da sie nicht mit den gängigen Empfehlungen aus der Energieberatung korrespondiert und auch vom Gebäudeprogramm nicht mehr gefördert wird. Mit dem Ersatz der Fenster wird der Luftwechsel verkleinert. Dadurch wird weniger feuchte Luft an die Umgebung abgegeben und die relative Luftfeuchtigkeit steigt in den Räumen. An kalten Flächen kondensiert die Luft und dadurch können sich Schimmelpilze bilden. Falls man sich für diese Standardlösung entscheidet, muss dem Anstieg der Luftfeuchtigkeit durch eine kontrollierte Wohnungslüftung (siehe Standardlösung 11) oder durch kurzes Querlüften entgegengewirkt werden.

Die Standardlösung 9 sieht die Verbesserung der Wärmedämmung der Fassade oder des Daches vor. Bestehende Bauteile mit einem U-Wert schlechter als 0,6 W/m²K sollen durch Bauteile mit einem U-Wert von mindestens 0,2 W/m²K ersetzt resp. verbessert werden. Es sind 0,5 m² pro m² Energiebezugsfläche zu sanieren. Bei einem zweistöckigen Haus entspricht dies ca. der Dachfläche oder zwei Fassaden.

Kontrollierte Wohnungslüftung

Die Standardlösung 11 reduziert den Energieverlust durch den Einsatz einer kontrollierten Wohnungslüftung, wie sie auch von Minergie gefordert wird. Die Lüftung muss 70 % der Wärme aus Abluft rückgewinnen und somit die Energieeffizienz des Gebäudes verbessern.

Allgemein stellt die Anwendung der MuKEn 2014 alle Betroffenen vor eine Herausforderung. Lassen Sie sich beraten, welche Lösung für Sie und Ihre Liegenschaft die Beste ist. Die gute Nachricht: Eine Studie des AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) aus dem Jahr 2017 hat gezeigt, dass bei 92 % der Objekte eine Möglichkeit für die Umsetzung der MuKEn 2014 gefunden wurde.

Falls es in Ihrem spezifischen Fall nicht möglich sein wird, eine Lösung für die Umsetzung der MuKEn 2014 zu finden, ist der nächste Schritt die Kontaktaufnahme mit den Behörden (Bauamt Ihrer Gemeinde). Es gilt, eine Einigung über die Kompensation zu finden. So zum Beispiel der Einkauf von Solarstrom.

Falls Sie Fragen zu den MuKEn 2014 haben, können Sie uns gerne kontaktieren:

Luca Broch und sein Team

Kundendienst & Energielösungen
Migrol AG
Badenerstrasse 569
8048 Zürich
energie@migrol.ch

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