Energieberatung, Gebäudesanierung, Erneuerbare Energien

Mythen zu erneuerbaren Energien Nutzerverhalten und Gebäudesanierung

In Gesprächen und Beratungen tauchen immer wieder Mythen zu erneuerbaren Energien und Gebäuden auf. Es ist verblüffend, wie sich (veraltete) Informationen im Gedächtnis verankern. 

Vor 20 Jahren war die Produktion von Photovoltaikmodulen noch sehr energieintensiv und das ist vielen Leuten in Erinnerung geblieben.

Dieser und weitere hartnäckige Mythen sollen in diesem Beitrag richtiggestellt werden.

Sonnenenergie

Ein Photovoltaikmodul braucht in der Produktion mehr Energie, als es je produzieren kann.

Diese Aussage ist falsch.

Die Herstellung eines Photovoltaik-Solarpanels von 1 m² benötigt ca. 1'340 kWh [1] graue Energie. Im schweizerischen Mittelland produziert dieses Modul ca.180 kWh/a. Die Primärenergie (nicht erneuerbar) des Schweizer Produktionsmix beträgt 1,85 kWh. [1] Mit der Stromproduktion von 180 kWh/a ersetzt dieses Modul also 333 kWh pro Jahr. Die graue Energie von 1'340 kWh wird somit in 4 Jahren kompensiert. Während einer Betriebszeit von 25 Jahre kann ein Modul 6-mal mehr nicht erneuerbare Primärenergie einsparen, als ihre Herstellung benötigt.

[1] KBOB Ökobilanzdaten im Baubereich 2009/1:2016


In der Schweiz scheint zu wenig die Sonne, um wesentliche Mengen Solarstrom produzieren zu können.

Das stimmt so nicht.

Ein Quadratmeter Photovoltaikfläche liefert im Mittelland jährlich 185 kWh elektrische Energie. In den Schweizer Haushalten werden 19 Mrd. kWh/Jahr [2] elektrische Energie aufgewendet. Bei einer Bevölkerung von 8,4 Millionen Einwohnern ergibt dies 2'200 kWh/Person und Jahr. Somit reichen 12 m² solare Fläche pro Person auf dem Wohngebäude, um den notwendigen Haushaltstrom bereitzustellen.

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Wohnfläche beträgt pro Person 40 m².

[2] Schweizerische Elektrizitätsstatistik 2016


Die Leistung von Photovoltaikmodulen lässt stetig nach.

Ja, das stimmt.

Allerdings nur sehr geringfügig. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme stellte in einer Studie nur einen durchschnittlichen Leistungsabfall von 0,1 % des Wirkungsgrades pro Jahr fest.

Die Ausrichtung meines Daches ist ungeeignet.

Das muss so nicht stimmen.

Oft geht man davon aus, dass nur ein nach Süden ausgerichtetes Dach mit einer Neigung von 45 ° geeignet ist. Die folgende Darstellung gibt den Ertrag in % zur Ausrichtung gegen Süden an. Eine vertikale Anlage verliert somit nur 30 % Energie gegenüber der idealen Ausrichtung und produziert zudem wertvollen «Winterstrom». Die vertikale Ausrichtung gegen Norden macht jedoch keinen Sinn.

Dachausrichtung

Quelle: 
Migrol Fachstelle Energie

 

Die Dachfläche ist zu klein für eine Solaranlage.

Das muss so nicht stimmen.

Thermische Solaranlagen wandeln einen grossen Anteil der Solarstrahlung in Wärme um. Eine Fläche von 4 m² reicht, um 60 % des Warmwasserbedarfs einer 4-köpfigen Familie zu decken.

Nutzerverhalten

In modernen (Minergie-)Häusern darf man das Fenster nicht öffnen.

Diese Aussage ist falsch.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung die Fenster nicht geöffnet werden dürfen. Mit einer Wohnraumlüftungsanlage werden die Wohnräume permanent mit frischer Aussenluft versorgt. Das heisst, man kann lüften, muss aber nicht. Zu beachten ist jedoch, dass bei modernen Gebäude das Heizsystem auf die notwendige Leistung ausgelegt und nicht wie in gewissen älteren Gebäuden überdimensioniert wird. Somit kann die Heizleistung bei offenstehenden Fenstern den Wärmeverlust nicht kompensieren und die Behaglichkeit ist nicht mehr sichergestellt. Einfachste Lösung: Fenster wieder schliessen!

Lampen nicht ausschalten.

Diese Aussage ist falsch.

Lampen lieber brennen lassen, als sie immer wieder ein- und auszuschalten? Dieser Mythos ist alt und gilt weder für Leuchtstoffröhren, Glühbirnen noch für LED-Lampen. Da es keinen Strom spart, das Licht brennen zu lassen, und das Einschalten des Lichts kaum mehr Strom verbraucht als der Betrieb selbst, zahlt es sich aus, den Lichtschalter öfters zu nutzen!

Es ist dabei jedoch etwas zu beachten: Der Begriff Schaltfestigkeit. Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen vertragen ein dauerndes Ein- und Ausschalten nicht, wie es zum Beispiel bei WC oder Treppenhäusern vorkommen kann. Hier sollte eine schaltfeste Technologie eingesetzt werden. Das könnten z.B. stromsparende LED leuchten sein, welche bis zu 100'000 Schaltzyklen vertragen (Angabe auf Verpackung beachten). 

Keinen Tumbler verwenden, denn der ist der reinste Stromfresser.

Zum Teil richtig.

Ein Tumbler der Energieklasse A+++ mit einer Lademenge von 8 kg benötigt 1,5 kWh elektrische Energie. Ist die Wäsche in der Wohnung zum Trocknen aufgehängt, wird 3,2 kWh Verdampfungsenergie benötigt, was z.B. mit der Verbrennung von 600 g Pellets kompensiert werden muss.

Am besten für das Portemonnaie und die Umwelt ist es, die Wäsche draussen zu trocknen. Bei trockener, klirrender Kälte kann die Wäsche dank Sublimation auch im Winter draussen getrocknet werden. Ideal ist etwas Wind.

Wärmeerzeuger

Wärmepumpen sind Stromfresser.
Zum Teil richtig. Es ist richtig, dass die Wärmepumpe für den laufenden Betrieb Strom benötigt. Im Zusammenspiel mit grossflächigen Wärmeabgabesystemen und guten Gebäudehüllen sind sie jedoch eine sehr energieeffiziente Lösung. Gute Wärmepumpensysteme benötigen nur noch 20 % Stromeinsatz, um 100 % Wärme bereitzustellen. Korrekt ist, dass Luft-Wasser-Wärmepumpen bei sehr tiefen Aussentemperaturen einen hohen Stromverbrauch aufweisen.

Für Pellets werden extra Bäume gefällt.

Diese Aussage ist falsch.

Für die Herstellung von Holzpellets muss kein Baum zusätzlich gefällt werden. Die Sägespäne und anderen Reststoffen der holzverarbeitenden Industrie reichen aus, um den gesamten inländischen Pelletbedarf zu decken. Auch wenn Bäume für die Herstellung von Pellets gefällt werden müssten, wäre das nicht so schlimm. Die Biomasse nimmt die gleiche Menge CO2 auf, welche bei der Verbrennung wieder freigesetzt wird. Verfault der Baum auf dem Waldboden, gibt er das CO2 ebenfalls an die Umwelt ab.

Sanierung

Sanierungsmassnahmen fördern Schimmelpilzbildung.

Zum Teil richtig.

Werden bei einer Sanierung nur die Fenster ausgetauscht, kann dies zu Schimmelbildung führen. Seltsamerweise ist dies eine Standardlösung nach MuKEn 2014. Lesen Sie hierzu auch die Informationen im Blogbeitrag MuKEn 2014

Das eigentliche Problem sind jedoch nicht die Fenster. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die neuen Fenster luftdichter sind. Sie verhindern den Luftaustausch mit der Aussenwelt und behalten die Wärme drinnen. In allen Wohnnutzungen, egal ob gedämmt oder nicht gedämmt, entsteht Feuchtigkeit, die auf irgendeine Weise nach draussen gelangen muss. Wenn dies nicht gelingt, kann sich Schimmel bilden. Für eine Schimmelpilzbildung sind jedoch nicht die neuen Fenster verantwortlich. Die Entstehung von Schimmel hängt eng mit den Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnissen zusammen. Erst in einer Umgebung, in der konzentrierte Feuchtigkeit auftritt, finden Schimmelpilzsporen gute Bedingungen an kühlen Oberflächen. Selbst bei moderater relativer Luftfeuchtigkeit (z.B. 50 %) kann es zu feuchten Wänden kommen, wenn diese zu kalt (<17 °C) sind. Eine äussere Wärmedämmung verringert die Wärmeverluste nach aussen sehr stark und erhöht so die Oberflächentemperaturen der inneren Wände. Damit reduziert sie das Risiko der Schimmelbildung erheblich. Eine korrekt durchgeführte Sanierung verhindert die Schimmelbildung. Besondere Vorsicht ist bei Dämm-Massnahmen geboten, welche an der Innenseite der Wände ausgeführt werden. Hier ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sich Feuchtigkeit in den Wänden bildet. Holen Sie sich in einem solchen Fall Rat bei einem Bauphysiker und bestehen Sie auf eine qualitativ hochwertige Ausführung.

Falls Sie Fragen zur Gebäudesanierung haben, können Sie uns gerne kontaktieren:

Luca Broch und sein Team

Kundendienst & Energielösungen
Migrol AG
Badenerstrasse 569
8048 Zürich
energie@migrol.ch

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